Woran erkenne ich einen kranken Igel?

Die folgenden äußeren Merkmale lassen auf eine Krankheit schlieBen:

  1. Igel irren mitten am Tage umher oder liegen in der Sonne. Sie sind dann oft schon mit kleinen gelben Fliegen-Eiern besetzt. Sie haben tief liegende Augen und eine trockene Nase. Es kann auch sein, dass sie im Winter bei Eis und Schnee am Tage herumlaufen.
  2. Igel sind stark abgemagert. Sie sind dann hinter dem Kopf eingefallen und haben dort den sogenannten „Hungerknick". Die Ursachen sind meistens Innenparasiten- oder Bakterienbefall.
  3. Igel sind gelähmt. Wenn man sie aufnimmt, kann man feststellen, dass sie keine Spannkraft haben oder sie ziehen beim Laufen die Beine nach (Teillähmung). Die Ursache ist in der Regel Vitaminmangel.
  4. Igel haben einen Abszess. An verschiedenen Körperstellen kann eine Schwellung oder Verkrustung der Stacheln festgestellt werden, die oft stark riecht.
  5. Igel haben offensichtlich äußere Verletzungen oder Beinbrüche. Bei Beinbrüchen rollt sich der Igel nicht ganz ein und ein Fuß ist sichtbar. Viele Verletzungen werden indirekt durch den Menschen verursacht (Insektizide, Zäune, Hunde, Rasenmäher, Mäusefallen, Netze, Abbrennen von Laubhaufen etc.)
  6. Igel haben Stachel- oder Haarausfall. Oftmals sind dann schon kahle Stellen im Stachelkleid, am Haarkranz an der Seite oder am Bauch zu erkennen. Die Ursache kann Hautpilz oder Bakterienbefall sein, auch durch Ausfluss aus vereiterten Ohren.

Im Spätherbst herumirrende junge Igel sind oft hilfsbedürftig. Fur die Beurteilung, ob ein Jungigel im Herbst aufgenommen werden muss, well er untergewichtig und deshalb vermutlich auch krank ist, hat das Komitee für Igelschutz e.V. die folgende Faustregel fur Norddeutschland aufgestellt:

im Oktober: unter 200 g Körpergewicht
im November:
unter 300 g Körpergewicht
im Dezember:
unter 400 g Körpergewicht

Dies hier ist nur eine Faustregel, die nicht unbedingt strikt eingehalten werden muss. Bei der Beurteilung sollte auch die Wetterlage berücksichtigt werden. Während einer längeren Regenperiode im Herbst oder bei geschlossener Schneedecke und Dauerfrost wird man einen Jungigel eher hereinnehmen müssen, als bei schönem Herbstwetter und leichtem Nachtfrost.

Gartenbesitzer sollten ab Mitte September eine Futterstelle einrichten, damit draußen zugefüttert werden kann, bis der Dauerfrost einsetzt.

Was tun?

Als erste Maßnahme wird der gefundene Igel gewogen und, wenn erforderlich, mit einem Flohpuder (z.B. Bolfo Flohschutzpuder) nur leicht über dem Rückgrat entlang eingepudert. Wenn er unterkühlt ist, muss er sofort auf einer Wärmflasche oder einem Heizkissen bei ca. 29°C gewärmt werden. Die Wärmflasche bzw. das Heizkissen mit einem dicken Handtuch abdecken um Verbrennungen zu vermeiden. Der Igel wird ebenfalls mit einem Tuch bedeckt.

Von Igeln, die gesund wirken und fressen, sollte nach 3 Tagen eine Kotprobe zur Untersuchung in die Tierarztpraxis gebracht werden, um eventuellen Wurmbefall zu bekämpfen. Bewert hat sich die Unterbringung in einem großen Pappkarton mit Zeitungspapier bei Temperaturen um die 18°C, solange der Igel untergewichtigt ist. Die Fütterung besteht aus Katzenfutter, zu Trinken bitte nur Wasser, keine Milch. Ab einem Gewicht von 600 g kann der Igel wieder ausgewildert werden.

Der aufgefundene kranke Igel sollte einem Tierarzt oder einer Igelstation vorgestellt werden, damit beurteilt werden kann, welche medizinischen Maßnahmen erforderlich sind.

Igel stehen unter Naturschutz. Es ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, diese besonders geschützten Tiere aus der Natur zu entnehmen und gefangen zu halten. Eine Ausnahme lässt jedoch der § 43 (6) dieses Gesetzes zu. Danach ist es zulässig, verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen, und sie gesund zu pflegen. Die Tiere sind unverzüglich in die Freiheit zu entlassen, sobald sie sich dort selbständig erhalten können.

Komitee für Igelschutz e.V. Hamburg
Flaßheide 42, 22525 Hamburg
Tel.: 040-5404807; Fax: 040-52 01 48 02

www.igelkomitee-hamburg.de